#4 Mit oder ohne Lebensfreude?

IMG_0805„Wenn jemand sein Geld mit Straßenkehren verdient,dann sollte er die Straßen so kehren, wie Michelangelo malte, so wie Beethoven komponierte, wie Shakespeare seine Dramen schrieb.“ … sagte einst Martin Luther King.

Würde ich die Straße kehren, dann wohl mit größter Sorgfalt und mit dem besten Besen, den es gibt. Ich würde hier und da eine Tulpenzwiebel in die Erde stecken und mich dann daran erfreuen, wenn diese im Frühling aufgeht. Auch würde ich auf eine gute Arbeitskleidung Wert legen und die Menschen, welche mir auf der Strasse begegnen würden , mit einem Lächeln bereichern.

Da ich glücklicherweise derzeit mein Geld in meinem Traumberuf als Koch und Gastgeber verdienen darf, koche ich, wie es mir in den Sinn kommt. Ich koche mit  Sorgfalt, mit den besten Messern und lasse in jedem Gericht besondere und vor allem gute Produkte zur Geltung kommen. Ohne vollkommene Zutaten kein vollkommenes Gericht. Ohne Freude am Kochen, kein Geschmack.

Ohne Freude am Tun, keine Lebensfreude. Ohne Lebensfreude? Macht keinen Sinn oder?

So einfach ist es. Danke.

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#3 Fangfrisch im Netz www.benkindler.de

Fangfrisch im Netz, frische Saiblinge aus dem Schwarzwald, sowie mein Blog „Kochende Gedanken“. Unter http://www.benkindler.de findest Du regelmäßig Texte und Gedanken rund um meine große Liebe: Kochen. 

Abonniere doch gleich meinen Blog und du verpasst keinen meiner schönen Gedanken. Dein Ben. 

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#2 Eine Freudenträne fürs Brot

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Mach‘ die Augen zu. Na mach schon. Also nein, geht ja gar nicht. Bitte erst lesen und dann die Äugelein schließen und sich der Vorstellung von einem frisch gebackenen Brot hingeben. Haben wir ein Pech, dass die Backkultur so auf dem absteigenden Ast ist. Ketten – und Aufbackbäcker reihen sich in den Städten und – ich kotz gleich – am Rande von schönen Dörfern in den schönen Einheitsbauten der üblen verdächtigen Discounter. Gutes Brot ist zu (m)einem Luxusgut geworden. Aber wollen wir mal nicht über die Schlechten, sondern über die Guten Dinge sprechen.

Was ist Glück? Glück ist, unter anderem, einen Bäcker in der Stadt oder im Dorf zu haben der Wert auf Tradition und Handarbeit legt, und von morgens um 6 Uhr bis abends um 18 Uhr frisch backt anstatt aufbackt. Ich könnte ausflippen, nein ich flippe regelmäßig aus, tanze auf meinem Küchentisch, wenn ich in das Baguette meines Lieblingsbäckers reinbeißen darf, solange es noch warm ist. Frisch aus dem Ofen, einen Korb voller Baguettes in meinem Auto und ich bin tatsächlich gefährdet einen schweren Verkehrsunfall zu verursachen, da meine Augen mit Freudentränen gefüllt sind. Klingt verrückt – ist aber tatsächlich so.

Als Koch werde ich oft gefragt, was mein Lieblingsessen ist. Die Antwort lautet schon lange nicht mehr, dass ich am liebsten Steinbutt mit Hummersauce und Venere Risotto esse. Auch nicht schlecht, ehrlich gesagt. Aber das war 90 er, als ich die Sterneküche kennengelernt habe. Am allerliebsten esse ich eine dicke Scheibe Bauernbrot mit Schwarzwälder Rohmilchbutter direkt von der Bäuerin mit knirschendem Meersalz drübergebröselt. Dazu esse ich einen Apfel. Extrem knackig, leicht süß und mit viel Säurespiel. Vielleicht Topaz oder Elstar.

Dieses kleine Glück hat seinen Preis. Ja! Und ich meine hier nicht die 60 Cent, die diese Kreation mehr kostet als Backshop Schrott. Der Preis ist die Zeit, meine Zeit, die da drauf geht um diese vier! Zutaten aus sicherer Quelle zu erstehen.

Ich stelle mich also in die Schlange beim kleinen Bäcker. Anstatt auf dauernd auf die Uhr zu sehen atme ich tief die herrlichen Gerüche ein, bestaune Brötchen, Brezeln, Brote und Gebäck. Träume ein wenig, manchmal auch mehr. Eine kleine Auszeit im Alltagsstress.

Auf dem Markt tratsche ich mit den Menschen anstatt vor einer dauerpiependen Computerkasse meine Ohren Volldröhnen zu lassen und freue mich über die Gespräche.

Warum das alles? Weil ich einer von diesen Menschen bin der ohne diesen verdammten Luxus einfach nicht mehr Leben kann – sorry, nicht mehr leben möchte.

Mach die Augen zu. Jetzt!

#1 Lieblings -brösel

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Wir alle haben Lieblings. Ich habe viele Lieblings, aber ich kann mich jeden Tag in einem neuen Lieblings finden das mich umhaut, mitreißt und mir den Tag versüßt und ein Lächeln auf die Lippen zaubert, welches ich dann mit den Menschen um mich herum dann teilen darf. Manchmal, wenn ich mich still und heimlich über mein Lieblings freue und schmunzeln muss entdeckt mich meine siebenjährige Tochter oft dabei und fragt mich, an was ich gerade gedacht habe. Ich erzähle ihr dann von meinem heutigen Lieblings und wir freuen uns meistens beide gemeinsam.

Mein erstes Lieblings, über welches ich hier bei „Kochende Gedanken“ schreibe, sind BröselBrösel am liebsten in Butter. Du kannst auch „Bröselbutter“ sagen.

Obwohl ich Koch bin, plane ich selten das Mittagessen. Spontan kommen mir gute Ideen oder einfach Klassiker auf den Tisch oder Dingediewegmüssen aus dem Kühlschrank werden verkocht. Oberstes Gebot, es darf nicht wirklich viel länger als 15, naja maximal 20 Minuten dauern.

Am heutigen Mittag verspürte ich eine unglaubliche Sehnsucht nach Bröselbutter. Doch was verdammt noch mal mache ich dazu? Ich kann doch nicht nur Bröselbutter auftischen! Zu breiten Bandnudeln hat meine Großmutter immer Brösel gemacht, ach wie herrlich. Breite Nudeln? Dauert zu lange. Und gekaufte? Jetzt fang bloß nicht an zu spinnen, ja?  Knödel? Hmmm, das machen wir nächste Woche mal. Topfenknödel mit Vanillesauce und Bröselbutter. Allerdings ist Blumenkohl in Bröselbutter ein wohl eines der leckersten Gerichte die ich kenne.

Also, zur Sache jetzt! Kühlschrank auf, Eier raus, schnell verquirlt, eine ordentliche Prise Salz dazu, Mehl eingerührt und schon sprudelt das Wasser sprudelig auf meinem Gasherd daher und die Spätzle tanzen über den Hobel, dass es nur so eine Freude ist.

Haben wir noch Käse? Eine Stück Cheddar aus dem Vormonat und von Silvester noch eine Ecke Raclette. Zack – durch die Reibe gefegt, Zwiebeln gehackt und in Butter angedünstet, hack den Knoblauch dazu, Spätzle aus dem Wasser und auf geht’s, mit der Schaumkelle abtropfen lassen, hinzugeben, Käse drüber – schmelzen lassen, schwenken, Salz & Pfeffer. eine mini Prise Piment d´Espelette!

Ein kurzer Moment der Stille. Es duftet so herrlich hier. Stop!

Es muss weiter gehen, das wichtigste fehlt doch…kleine Pfanne auf den Herd, ein ordentliche Pflatsch Butter rein, schmelzen, braun, brauner, und ab mit den Bröseln, eine knirschende Prise Fleur de Sel, ja das ist Musik in meinen Ohren. Bröselbutter über die Käsepätzle? Ich sehe leider keine Spätzle mehr.

Bröselbutter – mein heutiges aller – Lieblings! Guten Appetit.